Sonntag, April 22, 2012

NICHT MACHBAR!?

„…auf europäischer Ebene nicht machbar“, die Sache, hüstelte der deutsche Finanminister Wolfgang Schäuble jüngst verlegen.

„…auf europäischer Ebene nicht tragbar“, der Mann, wetterten da die Völker Europas empört!

Nun, die anmutige Leserin und der hellsichtige Leser (oder auch vice versa) werden es ja sofort erraten haben: Ersteres ist – ‚auf europäischer Ebene‘ - traurige Realität, zweiteres jedoch pure Illusion! Noch, jedenfalls!

Also: dieser Tage berichtete das HandelsBlatt: „Berlin. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Pläne für eine europäische Steuer auf Finanz-geschäfte endgültig aufgegeben. Auch eine geänderte Börsenumsatzsteuer … sei auf europäischer Ebene nicht machbar…“ Warum gibt der Mann so einfach auf? Und in wessen Namen tut er das?

Nicht machbar? Nicht durchsetzbar? Nicht exekutierbar? Wieso eigentlich? Und gegen wen denn nicht? Gegen den aalglatten Brit-Premier David Cameron etwa? Wieviel Strandsand darf denn so ein Einzel-Insulaner ins Getriebe einer gesamteuropäischen Entscheidung streuen, - ein einziger bloß, einer von fast 500 Millionen? Und zu allem Überdruss auch noch einer, der völlig ungeniert den Godfather der Londoner ‚City boys‘ gibt, diesem Krebsgeschwür der internationalen Finanzspekulation sogar zu Füßen liegt, und der berufsbedingt halt gerade mal spare-time-tenant at Number 10, Downing Street ist? Ein nadelgestreifter Spitzen-Reaktionär, der pointierterweise auch noch gelehriger Spross eines berufszockenden Börsenmaklers ist? Also quasi von Kindesflossen an: ein Baby-Hai unter Haien!

Nicht machbar? Wegen Carl Gustaf Folke Hubertus Bernadotte, eventuell? Wegen Carl XVI. Gustaf von Schweden also? Der soll ja selbst dann dagegen sein, wenn sein blaues Blut ausnahmsweise mal nördlich vom majestätischen Hosenlatz zirkuliert! Vielleicht könnte einer seiner Höflinge Seine Königliche Hoheit mal darüber aufklären, dass es sich bei der Finanztransaktionssteuer keineswegs um eine antiroyalistische Puff-Steuer handelt?! Sondern vielmehr um eine Steuer auf Finanztransaktionen eben, in der sowieso ridikülen Winzigkeit von 0,01 bis 0,1%!!!

Im Gegensatz dazu hat jeder x-beliebige Bürger im Hoamatl auf jedes talkerte Paarl Frankfurter beim Wirtn opulente 10% Umsatzsteuer abzudrücken! Und gleich 20% aufs Seidel dazu! Und auf jedes weitere freilich auch! Wann endlich – Himmelarschundzwirn - werden sich die ewig nur Über-den-(Stamm)Tisch-Gezogenen mal aufraffen, die ‚Demokratie‘ vom Kopf auf die Füße stellen, auf die Barrikaden steigen und mit der Macht der Masse postulieren: „Game over, ihr Wappler-‚Eliten‘! Wir zahlen jetzt auch keine USt mehr! Tja, - ist leider ‚nicht machbar‘! ‚Auf europäischer Ebene‘ und so, - eh scho wissen!“ Hätten sie doch die massive ‚Manpower‘ einer halben Milliarde Europäer als Sukkurs im Rücken! Ein glattes Kinderspiel also: so eine resche Rebellion der entschlossenen Massen gegen das verzagte Häuflein blasierter Parvenüs! Avanti gegen all die billigen und willigen Polit-Domestiken des Finanzkapitals! Und nicht zuletzt gegen die Handvoll Falotten, Spekulanten, Blutsauger und Strauchdiebe! Gegen all diese Nebochanten, die sich in ihrer ohnmächtigen Kapital-Knechtschaft und wahnhaften Selbstüberschätzung auch noch als ‚Eliten‘ aufspielen!

Besonders der computergepeitschten Hochgeschwindigkeitsspekulation (dem algorithmischen Bankster-Handel), die tagtäglich in Nanosekunden Abermilliarden US$, Euro und Yen um den Globus hetzt, ist auf der Stelle das apokalyptische Handwerk zu legen! Ebenso, wie die absolut skrupellosen (Lebensmittel)Spekulanten im Handstreich und unwiderruflich aus dem Verkehr zu ziehen sind. Denn die schwindelig machenden - von jeder ökonomischen Realität abgekoppelten – CDS- und sonstigen Derivate-Ringelspiele provozieren Zentrifugalkräfte, die wie monströse Katalysatoren auf die sowieso schon perpetuierte Weltwirtschaftskrise wirken!

Vorwärts, Völker! Dem apodiktischen Geschwafel der Schäubles & Co von der angeblichen ‚Nichtmachbarkeit‘ muss einfach das Wort abgeschnitten werden! Das finanzobrigkeitshörige Volksverblödungs-Geschwätz ist unter Strafe zu stellen! Es geht einzig um das Wohl der Mehrheit der Menschheit! Unverhandelbar! Demokratisch eben! Und ergo gegen all diese Wasserträger der Mächtigen, all diese Schäubles und die Schotter-Mitzis in ihrem Kielwasser! Ohne sie, - und über sie hinweg! Weg mit den Stallburschinnen und Steigbügelhaltern der pathologisch raffgierigen Mammon-Evangelisten!

Doch die windigen ‚Winkeladvokaten der mageren Machbarkeit‘ der Marke Schäuble, Fekter & Co setzen sogar noch eines d‘rauf? In eitler Pyrrhussiegerpose werfen sie sich in die schmächtigen Hühnerbrüste: Unter massivem Medien-Tamtam und in halbseidener Kumpanei mit dem Schwarzgeld-El-Dorado Schweiz haben sie ausgekungelt, die Milliarden krimineller Steuerhinterzieher - wie einst Al Capone - weisszuwaschen! Der heutige Staat – sowieso nicht mehr viel mehr, als der willige Lakai des Finanzkapitals - besorgt nun auch noch die Geldwäsche für seine Herrschaft selbst! Als stiller Koplize und Gauner unter Gaunern! Auf Augenhöhe mit der insgeheimen Galerie. Dessen nicht genug, verwöhnt er das flüchtige Falotten-Pack, das seinen Anteil an der Finanzierung des Gemeinwesens gesellschaftsschädigend in Steueroasen verschoben hat, auch noch mit Straffreiheit! Und das bei Wahrung voller Anonymität! Und für diesen politischen Offenbarungseid läßt sich die seltsame Personalunion von Schutzpatronen und Schuhputzern der Pfeffersäcke auch noch vom Boulevard als Held der einzig ‚machbaren‘ Steuermoral feiern! Wohl nach dem resignativen Loser-Motto: ‚Besser der Spatz in der Hand, als die Taube…‘ Einfach nur noch grotesk! – So agiert übrigens derselbe Staat, der gemobbte, entwurzelte und entrechtete Hartz-IV-Bezieher in sklavenähnliche 1-Euro-Jobs zwingt, oder - im Hoamatl – gerade einmal unpäßliche AMS-‚Eingliederung‘-Kurs-Schwänzer durch abrupten Leistungsentzug in akute Armut nötigt! „Friede den Hütten – Krieg den Palästen“, möchte man da nur noch mit der gerechten Wut eines Georg Büchner hinausschreien!

In dem Augenblick, in welchem diese häretischen Zorneswellen ins Notebook rollen, brüstet sich gerade die schrecklich schrille ‚Eliten‘-Mitzi aus Attnang-Puchheim in ihrem ebenso körperverletzenden Timbre, wie auch intelligenzbeleidigenden Duktus, auf OE3: „Freuen wir uns doch, dass die Steuersünder zurück sind!“ Kein Schmäh! Tja, Mitzi, Eureka und Hallelujah! Alle Pülcher sind wieder da, alle Pülcher, alle! Tu felix fraudator: adtribue! Und zwar „shortly, without von delay“, wie uns Polyglott-Mitzi in einer anderen Angelegenheit schon einmal wissen ließ! Tja, Elite bleibt eben Elite. Doch da konnte sich selbst der berufsbedingte Parteien-Schoner und joviale Radio-Moderator nicht mehr länger halten und prustete feixend heraus: „Herzlich Willkommen - Steuerflüchtlinge!“ – So hantelt sich also die skurrile Finanz-Farce von Höhepunkt zu Höhepunkt! Und jeder einzelne (Unter)Ton im absurden Polit-Alltag wirkt nur noch wie eine billige Live-Übertragung aus dem Gugginger Gugelhupf! Doch immer noch verläßt die angeblichen ‚Wutbürger‘ verläßlich jeder Mut und so kriechen sie halt im Stiefelstaub der Mächtigen immer weiter im Kreis: als mentalitätsmasochistische Wurmbürger…

Dieser Tage vermisste ich übrigens Sergej, meinen russischstämmigen Lieferanten von fast eh allem! Sein bescheidener Gröscherl-Laden besticht ja durchaus mit einem recht extravaganten Sortiment: vom Vodka bis zur Vase, vom Fingerhut bis zum Feuerzeug, vom Kaviar bis zum Karabiner. (Den Seemannshaken, geneigte Leser, nicht die Feuerwaffe! Obwohl, ob er nicht so ein klitzekleines Kalaschnikowerl unter der Budel bunkert, wer weiß?) „Warst Du auf Urlaub, amigo?“, wollte ich wissen. „Ach was, Urlaub, Towa-risch. Die Finanz piesackt mich! Prüft sogar meine kleine Bauchladen! Nix wie Zores!“ – Die Meinls jedoch, die Grassers, die Maischbergers, die Mensdorff-Pouillys und die… flanieren mit überheblichem Winner-Grinsen auf freiem Fuß durch die Luxuseinkaufsmeilen der Innenstädte oder lassen sich sonnigen Gemüts in ihren Bentleys zum Privatjet chauffieren… Wen wundert’s da noch, dass den Zaungästen ‚da draußen‘ allmählich der Feitl im Sack aufspringt…

Fazit: Wem zum demokratischen Grundprinzip, nämlich der Durchsetzung der Interessen der Mehrheit, nichts anders einfällt, als ein desperates ‚nicht machbar‘, der ist für unsere Demokratie ‚nicht tragbar‘. Weg mit ihm und all den anderen Speichelleckern seiner Façon!

Demokratie darf nicht heißen: alle fünf Jahre die Zweite Wahl (sowieso nur Appendizes ihrer Konformisten-Parteien) irgendwohin zu wählen, sondern sie – schon bei Bagatelle-Versagen – auch in der Sekunde feuern zu können! Keine U-Ausschüsse, nur Tschüsse y adios amigos! Null Kündigungsschutz bei provokativ zur Schau gestellter Ahnungslosigkeit, Lethargie, Feigheit oder gar Komplizenschaft mit der unersättlichen (Geld)-Macht! Au contraire mon cher, - und Tschüss, Herr Minister, wie man in Deutschland wohl sagen würde!

Sie haben gerade noch 5 Minuten Zeit, ihre vor Angst vollgeschissenen Hosen zusammenzupacken und das Büro zu räumen, Herr Schäuble! Ach ja, und wenn sie schon dabei sind, vergessen sie ihre Ösi-Amtskollegin nicht! Und adieu, Frau Fekter! Soviel Demokratie muss schon ‚machbar sein‘!

Und der Avantgarde-Anspruch der Mehrheit ist erst recht machbar, Herr und Frau Nachbar…