ALLES HOLLER-HOLLER, ODER WAS?!
Davon, dass im sonst eher konfliktscheuen Fürstentum Pröllistan die Gendarmerie-Colts recht locker sitzen, war in letzter Zeit ja häufiger zu hören. Nicht zuletzt dank Deputy Irving, – im Untergrund gern auch ‚Knallerbsi the Kid’ genannt! Im Gefolge einer jüngeren Polizei-Ballerei ließ er die angststarre Öffentlichkeit unmissverständlich wissen, auf wessen stolzer Brust im bleihältigen Tombstone Saint Poelten der Sheriffstern funkelt: „Ich sehe ein Signal weit über Österreich hinaus, das besagt, wer in Niederösterreich etwas anstellt, der muß eben auch mit dem Schlimmsten rechnen.“ Tja, im Lower-Hoamatl herrschen halt noch Erwin, sowie Law & Order… Vorausschauende NÖ-Farmer schlüpfen deshalb schon mal in die kugelsichere Weste, ehe sie abends ihren Greyhound Fiffi äußerln führen…
Nun spielte es eben High-Noon im Merkur-Markt von Krems! - Merkur ist ja bekanntlich das römische Pendant zum griechischen Götterboten Hermes: Sinnigerweise sind die beider antiken Herrschaften aber auch die Götter der Händler und Diebe! Oft doch recht erhellend, - die Mythologie…
Nächtlicher Showdown im Supermarkt also. Tja, was könnte denn da nicht alles wegkommen? Ein Inzersdorfer-Doserl Bohnen mit Speck eventuell? Ein Flascherl Gumpoldskirchner? Oder zwei? Ein, zwei, sogar drei Taferln Suchard-Finessa? Womöglich sogar nahrhaftes Studentenfutter? Nüsse aller Art sollen ja gut fürs Hirn sein. (Aber G’schmierte dürfen ja leider nicht fladern.) Die Tageslosung wohl eher nicht. Denn der Analogkäse- und Schummelschinken-Reibach ruht zu nachtschlafener Stunde längst im Banktresor! Was ma ham, des hamma, sagt sich auch der Großgreissler saturiert…
Dennoch schrillte also am dröge dahindämmernden Gendarmerie-Posten der Alarm. Zwecks aufmunitionierender Stimulanz hatten sich die Beamten die - erst jüngst von einem chinesischen Raubkopie-Dealer erbeutete - DVD „Bonnie und Clyde“ eingelegt. Sedieren doch Rosemund Pilcher & Co sofort jegliche martialische Motivation! So wird’s jedenfalls im obligatorischen Schiesstraining von Inspektor ‚Holler-Holler’ gelehrt… Aber das ist eine andere Geschichte… Die uns allerdings auch noch interessieren wird…
Cineastisch bleihältig aufgeganserlt, rückte also ein uniformiertes Trachtenpärchen erwinesk aus. Am Tatort gesellte sich auch noch ein gleichfalls alarmierter Merkur-Geschäfterlführer hinzu, und so machte sich das ungleiche Trio in kolportierter Zappendusternis auf patscherte Räuberjagd! (Weshalb der freilich ortskundige Merkurling – immerhin auch noch in Erleuchtung eines veritablen Götterboten - nicht einfach das Licht angeknipst hat, bleibt ein profanes Mysterium?! Am apodiktischen Stromspar-Appell der angeblich so gräßlich dahindarbenden Fress-Multis kann’s ja wohl doch nicht gelegen sein!) Apropos: Haben GendarmInnen nicht üblicherweise wenigstens ein Taschenlamperl am Mann? Und eventuell – streng nach Dienstordnung – nur die Ausgänge sichern und Verstärkung anfordern? Papperlapapp! Warmduscher-Strategie! Selbst ist der Mann/die MannIn! Auf ins letzte Gefecht! Den eher tatortunerfahrenen Zivilisten im Schlepptau, legten sich ‚Bonnie & Clyde’ aus der Provinz schon einmal tüchtig ins Zeug: für einen ersehnten Karriereschub?! Tja, in St. Pölten müßte man halt sein… Doch weil sie sich in der Finsternis halt doch recht fürchteten, ließen sie prophylaktisch schon einmal ihre Mündungsfeuer aufblitzen! Schreckensstarr visionierten sie sich vielleicht HC Artmanns Blauboad 1 zwischen das düstere Stahlgeflecht der Schattenregale:
„i bin a ringlschbüübsizza
und hob scho sim weiwa daschlong
und eanare gebeina
untan schlofzimmabon fagrom...
…
i bin a ringlschbüübsizza
(und schlof en da nocht nur bein liacht
wäu i mi waun s so finzta is
voe de dodn weiwa fiacht...)“
(HC Artmann, 1958)
Ganz schön gruselig: Tja, lieber erst mal d’rauf losknallen, fragen kann man schließlich immer noch! Tja, leider nicht ganz! Denn bei frischen Leichen öffnen sich zwar alle sonstigen Körperöffnungen ziemlich schleusenartig, doch die Lippen bleiben fest versiegelt! Tja, was weiß man denn eh, wofür’s noch einmal gut ist. Im furiosen Blindflug erlegt werden also ein 14-jähriges Dodel-Bürscherl mit einem glatten Rücken-Durchschuss, sowie sein 16-jähriger Komplize mit einem mannstoppenden Durchschuss beider Oberschenkel. Das zweite Opfer muß ergo in einer 90°-Position zu den Schützen gestanden sein: also auch nicht gerade in Notwehr-evozierender Angriffspositur. Resultat des feigen Feuerwerks: der jüngere Bub ist tot, der ältere schwerverletzt! Saubere Arbeit, – und wieder einmal ist diesen fiesen Langfingern ein Doserl Bohnen mit Speck zum aktuellen Aktions-Preis von € 1,29 entrissen worden…
Die tatsächlichen Millionen-Räuber und Dienst-Deppen ernten hingegen weit weniger mediale Zuwendung: All die Bundesbankrottierungsagenten, die ministeriellen Karibik-Hasardeure, die Skylink-Bankrotteure, die blanken ÖBB-Zocker, all die Meinls und Petrikovics, und, und, und… Diese Herrschaften haben zwar Abermilliarden verbrannt, verramscht oder verschoben, und sind dennoch samt und sonders wohlauf, leben unverdrossen auf großem – und vor allem freiem - Fuß und lassen den Plebejer ‚da draußen’, sowie dessen desinteressierten Herrgott ‚da d’roben’ einen guten Mann sein…
In der letalen Causa der Kremser Kleinkriminellen dagegen, springen natürlich sofort die notorischen ‚Zentralorgane fürs gesunde Volksempfinden’ für den antizipatorischen Feuer-Frei-Fanatismus gewisser Hoamatl-G’schmierter in die Bresche. Die Underground-Journaille (nein, subversiv ist die noch lange nicht, – nur, weil sie in der U-Bahn ausliegt) macht – in gewohnter Unkenntnis des Tathergangs (auch drei Tage nach dem grausamen Provinz-Massaker litten die verhätschelten Kids-Killer immer noch unter dem ‚Post-Shooting-Syndrom’ und waren noch immer nicht einvernommen worden; am planlosen Losballern hatte sie ihre eilig erwachte Sensibilität ja weit weniger gehindert. Naja, immerhin bleibt ihnen so jede Menge Zeit, den Einsatzverlauf gründlich abzusprechen) – der Exekutive (die schon von sich aus mauert; Kollegen ermitteln ‚gegen’ Kollegen) auch noch taxfrei eine blickdichte Mauer aus balkenletterdicker Druckerschwärze: Es hätten ja schließlich auch – anstatt der hoamatlichen Halbstarken - die berüchtigten ‚Ostbanden’ sein können! Und die wird man doch noch abknallen dürfen, oder?! ‚No, aber hallo’, wenn nicht einmal mehr die „mit dem Schlimmsten rechnen“ müssen! Der Boulevard ‚findet des super’ – und seine schlichte Leserschaft natürlich erst recht! Doch Achtung, – mögliche Kollateralschäden sind schon im Verzug: Sollte nämlich neuerdings bereits auf versuchten Einschleichdiebstahl die Todesstrafe stehen, dürfte das einschlägig auffällig gewordene Personal aus Politik, Banken, Konzernen, Bundesbahnen, Airport-Verwaltung und ‚Finanzierungsagenturen’ demnächst auch gehörig dezimiert werden… Wo doch vorm Gesetz (außer in Kärnten) alle gleich sind! Ein gewaltiger Aderlass unter den vielstrapazierten Eliten dräut da am Horizont herauf! Dagegen wäre Krems ein glatter Klacks… Gar mit einem Relaunch des Valentinstag-Massakers im Chicago von 1929 müßte gerechnet werden… Ob da überhaupt noch einer übrigbliebe?
Die berufsbedingt blutrünstigen ‚Fünfzeiler-Feiler’ aus der Schmuddelpresse geiferten, die ‚verwahrlosten’ Eindippler hätten die armen Polizisten „attackiert“. Attackiert? Waren die PC-Prätorianer des Apparats, diese ‚publizistischen Hilfssheriffs’ (© Hans Rauscher im ‚Standard’) etwa Tatzeugen? Und wie fängt man sich eigentlich als brutaler Aggressor den klassischen Rückenschuss eines Flüchtigen ein? - Is åber eh wurscht, Hauptsache, die krisengeschüttelte Volksseele ist schon einmal ins Triviale kanalisiert, und zugleich zum auflagensteigernden Dauerköcheln vorgeheizt. Vor allem – bittscheen – nur ja kane deppaten Fragen net! Soweit kummat’s no! Pülcher san eben Pülcher und bleiben ålleweul Pülcher… Tja, wer weiß? Vielleicht aber auch nicht, - falls sie ihre Pubertät erst einmal überleben…
Es wäre aber nicht das Hoamatl, trüge die tragische Farce nicht auch eine gewisse heitere Note: Durch diverseste Medien geisterte bald auch ein Experte, nämlich der ‚Polizeibundeseinsatztrainer’ Martin Hollunder. Im fürwitzigen ORF-Untersetzer trug er gar den bizarren Stotterer-Doppelnamen: „Martin Hollunder-Hollunder“. Inspektor Doppel-Holler, quasi! (Da wäre ja selbst der pfiffige Schelm und Createur der ‚Rokokokokotte’ vor Neid erblaßt!) Waren die fadisierten Kollegen von der TV-Grafik nur im Summer-Suff? Oder werden gar - infolge des radikalen ORF-Sparpakets - neuerdings eventuelle Jux-Inserts von übermütigen Ferialpraktikanten ins Bild gepfeffert? Derlei Imponderabilien lenken freilich vom konzentrierten Verfolgen des Krems-Krimis ab. In sprachloser Fahrigkeit zerrinnt Sekunde um Sekunde. Hollunder-Hollunder? Wie das denn? Rasch münden derlei Grübeleien ja in allerlei irrelevante Irrwege! Den etwa: Wie hätte es eventuell sogar der „Rauchzeichner“ zum kuriosen „Pedro Rauchzeichner-Rauchzeichner“ bringen können? No allemal, sowas hätt’ doch allerhand Pfiff! Schließlich dämmert ihm die tragisch banale Lösung: Er hätte tatsächlich nichts weiter tun müssen, als seine Lieblings-Cousine zu freien! Das wäre zwar semiinzestuös gewesen, - doch eingedenk der Sternstunde eines solchen Jahrhundertnamens! - Vergib mir, liebe Martha, – im TV ist die Nebenwirkung völliger Verblödung eben nicht gänzlich auszuschließen… Fragen Sie Ihren Intendanten oder Abteilungsleiter… (Soweit ist’s schon: Nachts schreckt der „Rauchzeichner“ aus dem Schlaf – und wenn einer seine Ex nochmals heiratet?)
Natürlich wäre die Schmach kaum zu überbieten, den einzigen Heiterkeitsspender im Provinz-Drama, Inspektor ‚Hollunder-Hollundern’, nicht zumindest mit einem einzigen – wenn auch recht einsilbigen - O-Ton zu würdigen: „Der Waffengebrauch ist gesetzt worden.“ Tja, und von Jetzt auf Glei’ hat der Tod eingesetzt! Sollte der forsche ‚Polizeibundeseinsatztrainer’ das Trainings-Dauerfeuer ebenso umständlich lehren, wie er sich auszudrücken erlernt hat, darf einen allerdings gar nichts mehr wundern…
Und so bleibt das Hoamatl halt, wie es sich am Liebsten mag: Die einäugige Hetz-Journaille husst, die blödgekritzelten Beisl-Banausen plappern sowieso alles kleinbissig Vorgekaute nach, die Polizei ‚setzt den Waffengebrauch’ und vernimmt die Täter=Opfer posthum, die tatsächlich existenzbedohenden Milliardenräuber am Volksvermögen kreuzen braungebrannt in der Karibik oder champagnisieren übermütig an der Côte d’Azur, eine schlichte Mutter trauert um ihren Buam, der dümmer war, als die Polizei erlaubt hat und die Justiz ‚setzt eine Untersuchung’, - aber nur a gånz a klane, bittscheen, gelt! Roger, over and out…
Angesichts des unsäglichen ‚Medien’-Martyriums, das unsereinen tagtäglich überrollt, fühlt sich selbst der „Rauchzeichner“ schon von schleichender Imbezillität angekränkelt, – seine eigene Cousine zu ehelichen (wo er doch gar keine Ex-Ehefrau hat), unfassbar, - sowas von Schwachsinn!
Bleibt also nur noch die Flucht in die vage Hoffnung: Schreckt man erst einmal aus dem Albtraum der grassierenden Revolverblattl-Epidemie, die seit geraumer Zeit das Hoamatl überrollt, auf, entpuppt sich eventuell auch das ganze Tabu-Getue um den brutalen Provinz-Krimi nur als Schimäre… Eh alles nur Holler-Holler-Holler-Holler, oder was?!
P.S.: Wollt ihr den totalen Souterrain-Journaillismus?! Den lieferte im lupenreinen Goebbels-Jargon wieder einmal der Freizeit-Henker und Vordenker des ‚gesunden Volksempfindens’ Michael ‚Krone’ Jeannée: „Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben.“ Jawoll, Rübe ab, ålle abmurksen und Heil Hitler, Herr ‚Redakteur’! Der ‚Völkische Beobachter’ hätt’s auch nicht pointierter getroffen…
Der „Rauchzeichner“ ist übrigens schon alt genug zum Erbrechen…
Nun spielte es eben High-Noon im Merkur-Markt von Krems! - Merkur ist ja bekanntlich das römische Pendant zum griechischen Götterboten Hermes: Sinnigerweise sind die beider antiken Herrschaften aber auch die Götter der Händler und Diebe! Oft doch recht erhellend, - die Mythologie…
Nächtlicher Showdown im Supermarkt also. Tja, was könnte denn da nicht alles wegkommen? Ein Inzersdorfer-Doserl Bohnen mit Speck eventuell? Ein Flascherl Gumpoldskirchner? Oder zwei? Ein, zwei, sogar drei Taferln Suchard-Finessa? Womöglich sogar nahrhaftes Studentenfutter? Nüsse aller Art sollen ja gut fürs Hirn sein. (Aber G’schmierte dürfen ja leider nicht fladern.) Die Tageslosung wohl eher nicht. Denn der Analogkäse- und Schummelschinken-Reibach ruht zu nachtschlafener Stunde längst im Banktresor! Was ma ham, des hamma, sagt sich auch der Großgreissler saturiert…
Dennoch schrillte also am dröge dahindämmernden Gendarmerie-Posten der Alarm. Zwecks aufmunitionierender Stimulanz hatten sich die Beamten die - erst jüngst von einem chinesischen Raubkopie-Dealer erbeutete - DVD „Bonnie und Clyde“ eingelegt. Sedieren doch Rosemund Pilcher & Co sofort jegliche martialische Motivation! So wird’s jedenfalls im obligatorischen Schiesstraining von Inspektor ‚Holler-Holler’ gelehrt… Aber das ist eine andere Geschichte… Die uns allerdings auch noch interessieren wird…
Cineastisch bleihältig aufgeganserlt, rückte also ein uniformiertes Trachtenpärchen erwinesk aus. Am Tatort gesellte sich auch noch ein gleichfalls alarmierter Merkur-Geschäfterlführer hinzu, und so machte sich das ungleiche Trio in kolportierter Zappendusternis auf patscherte Räuberjagd! (Weshalb der freilich ortskundige Merkurling – immerhin auch noch in Erleuchtung eines veritablen Götterboten - nicht einfach das Licht angeknipst hat, bleibt ein profanes Mysterium?! Am apodiktischen Stromspar-Appell der angeblich so gräßlich dahindarbenden Fress-Multis kann’s ja wohl doch nicht gelegen sein!) Apropos: Haben GendarmInnen nicht üblicherweise wenigstens ein Taschenlamperl am Mann? Und eventuell – streng nach Dienstordnung – nur die Ausgänge sichern und Verstärkung anfordern? Papperlapapp! Warmduscher-Strategie! Selbst ist der Mann/die MannIn! Auf ins letzte Gefecht! Den eher tatortunerfahrenen Zivilisten im Schlepptau, legten sich ‚Bonnie & Clyde’ aus der Provinz schon einmal tüchtig ins Zeug: für einen ersehnten Karriereschub?! Tja, in St. Pölten müßte man halt sein… Doch weil sie sich in der Finsternis halt doch recht fürchteten, ließen sie prophylaktisch schon einmal ihre Mündungsfeuer aufblitzen! Schreckensstarr visionierten sie sich vielleicht HC Artmanns Blauboad 1 zwischen das düstere Stahlgeflecht der Schattenregale:
„i bin a ringlschbüübsizza
und hob scho sim weiwa daschlong
und eanare gebeina
untan schlofzimmabon fagrom...
…
i bin a ringlschbüübsizza
(und schlof en da nocht nur bein liacht
wäu i mi waun s so finzta is
voe de dodn weiwa fiacht...)“
(HC Artmann, 1958)
Ganz schön gruselig: Tja, lieber erst mal d’rauf losknallen, fragen kann man schließlich immer noch! Tja, leider nicht ganz! Denn bei frischen Leichen öffnen sich zwar alle sonstigen Körperöffnungen ziemlich schleusenartig, doch die Lippen bleiben fest versiegelt! Tja, was weiß man denn eh, wofür’s noch einmal gut ist. Im furiosen Blindflug erlegt werden also ein 14-jähriges Dodel-Bürscherl mit einem glatten Rücken-Durchschuss, sowie sein 16-jähriger Komplize mit einem mannstoppenden Durchschuss beider Oberschenkel. Das zweite Opfer muß ergo in einer 90°-Position zu den Schützen gestanden sein: also auch nicht gerade in Notwehr-evozierender Angriffspositur. Resultat des feigen Feuerwerks: der jüngere Bub ist tot, der ältere schwerverletzt! Saubere Arbeit, – und wieder einmal ist diesen fiesen Langfingern ein Doserl Bohnen mit Speck zum aktuellen Aktions-Preis von € 1,29 entrissen worden…
Die tatsächlichen Millionen-Räuber und Dienst-Deppen ernten hingegen weit weniger mediale Zuwendung: All die Bundesbankrottierungsagenten, die ministeriellen Karibik-Hasardeure, die Skylink-Bankrotteure, die blanken ÖBB-Zocker, all die Meinls und Petrikovics, und, und, und… Diese Herrschaften haben zwar Abermilliarden verbrannt, verramscht oder verschoben, und sind dennoch samt und sonders wohlauf, leben unverdrossen auf großem – und vor allem freiem - Fuß und lassen den Plebejer ‚da draußen’, sowie dessen desinteressierten Herrgott ‚da d’roben’ einen guten Mann sein…
In der letalen Causa der Kremser Kleinkriminellen dagegen, springen natürlich sofort die notorischen ‚Zentralorgane fürs gesunde Volksempfinden’ für den antizipatorischen Feuer-Frei-Fanatismus gewisser Hoamatl-G’schmierter in die Bresche. Die Underground-Journaille (nein, subversiv ist die noch lange nicht, – nur, weil sie in der U-Bahn ausliegt) macht – in gewohnter Unkenntnis des Tathergangs (auch drei Tage nach dem grausamen Provinz-Massaker litten die verhätschelten Kids-Killer immer noch unter dem ‚Post-Shooting-Syndrom’ und waren noch immer nicht einvernommen worden; am planlosen Losballern hatte sie ihre eilig erwachte Sensibilität ja weit weniger gehindert. Naja, immerhin bleibt ihnen so jede Menge Zeit, den Einsatzverlauf gründlich abzusprechen) – der Exekutive (die schon von sich aus mauert; Kollegen ermitteln ‚gegen’ Kollegen) auch noch taxfrei eine blickdichte Mauer aus balkenletterdicker Druckerschwärze: Es hätten ja schließlich auch – anstatt der hoamatlichen Halbstarken - die berüchtigten ‚Ostbanden’ sein können! Und die wird man doch noch abknallen dürfen, oder?! ‚No, aber hallo’, wenn nicht einmal mehr die „mit dem Schlimmsten rechnen“ müssen! Der Boulevard ‚findet des super’ – und seine schlichte Leserschaft natürlich erst recht! Doch Achtung, – mögliche Kollateralschäden sind schon im Verzug: Sollte nämlich neuerdings bereits auf versuchten Einschleichdiebstahl die Todesstrafe stehen, dürfte das einschlägig auffällig gewordene Personal aus Politik, Banken, Konzernen, Bundesbahnen, Airport-Verwaltung und ‚Finanzierungsagenturen’ demnächst auch gehörig dezimiert werden… Wo doch vorm Gesetz (außer in Kärnten) alle gleich sind! Ein gewaltiger Aderlass unter den vielstrapazierten Eliten dräut da am Horizont herauf! Dagegen wäre Krems ein glatter Klacks… Gar mit einem Relaunch des Valentinstag-Massakers im Chicago von 1929 müßte gerechnet werden… Ob da überhaupt noch einer übrigbliebe?
Die berufsbedingt blutrünstigen ‚Fünfzeiler-Feiler’ aus der Schmuddelpresse geiferten, die ‚verwahrlosten’ Eindippler hätten die armen Polizisten „attackiert“. Attackiert? Waren die PC-Prätorianer des Apparats, diese ‚publizistischen Hilfssheriffs’ (© Hans Rauscher im ‚Standard’) etwa Tatzeugen? Und wie fängt man sich eigentlich als brutaler Aggressor den klassischen Rückenschuss eines Flüchtigen ein? - Is åber eh wurscht, Hauptsache, die krisengeschüttelte Volksseele ist schon einmal ins Triviale kanalisiert, und zugleich zum auflagensteigernden Dauerköcheln vorgeheizt. Vor allem – bittscheen – nur ja kane deppaten Fragen net! Soweit kummat’s no! Pülcher san eben Pülcher und bleiben ålleweul Pülcher… Tja, wer weiß? Vielleicht aber auch nicht, - falls sie ihre Pubertät erst einmal überleben…
Es wäre aber nicht das Hoamatl, trüge die tragische Farce nicht auch eine gewisse heitere Note: Durch diverseste Medien geisterte bald auch ein Experte, nämlich der ‚Polizeibundeseinsatztrainer’ Martin Hollunder. Im fürwitzigen ORF-Untersetzer trug er gar den bizarren Stotterer-Doppelnamen: „Martin Hollunder-Hollunder“. Inspektor Doppel-Holler, quasi! (Da wäre ja selbst der pfiffige Schelm und Createur der ‚Rokokokokotte’ vor Neid erblaßt!) Waren die fadisierten Kollegen von der TV-Grafik nur im Summer-Suff? Oder werden gar - infolge des radikalen ORF-Sparpakets - neuerdings eventuelle Jux-Inserts von übermütigen Ferialpraktikanten ins Bild gepfeffert? Derlei Imponderabilien lenken freilich vom konzentrierten Verfolgen des Krems-Krimis ab. In sprachloser Fahrigkeit zerrinnt Sekunde um Sekunde. Hollunder-Hollunder? Wie das denn? Rasch münden derlei Grübeleien ja in allerlei irrelevante Irrwege! Den etwa: Wie hätte es eventuell sogar der „Rauchzeichner“ zum kuriosen „Pedro Rauchzeichner-Rauchzeichner“ bringen können? No allemal, sowas hätt’ doch allerhand Pfiff! Schließlich dämmert ihm die tragisch banale Lösung: Er hätte tatsächlich nichts weiter tun müssen, als seine Lieblings-Cousine zu freien! Das wäre zwar semiinzestuös gewesen, - doch eingedenk der Sternstunde eines solchen Jahrhundertnamens! - Vergib mir, liebe Martha, – im TV ist die Nebenwirkung völliger Verblödung eben nicht gänzlich auszuschließen… Fragen Sie Ihren Intendanten oder Abteilungsleiter… (Soweit ist’s schon: Nachts schreckt der „Rauchzeichner“ aus dem Schlaf – und wenn einer seine Ex nochmals heiratet?)
Natürlich wäre die Schmach kaum zu überbieten, den einzigen Heiterkeitsspender im Provinz-Drama, Inspektor ‚Hollunder-Hollundern’, nicht zumindest mit einem einzigen – wenn auch recht einsilbigen - O-Ton zu würdigen: „Der Waffengebrauch ist gesetzt worden.“ Tja, und von Jetzt auf Glei’ hat der Tod eingesetzt! Sollte der forsche ‚Polizeibundeseinsatztrainer’ das Trainings-Dauerfeuer ebenso umständlich lehren, wie er sich auszudrücken erlernt hat, darf einen allerdings gar nichts mehr wundern…
Und so bleibt das Hoamatl halt, wie es sich am Liebsten mag: Die einäugige Hetz-Journaille husst, die blödgekritzelten Beisl-Banausen plappern sowieso alles kleinbissig Vorgekaute nach, die Polizei ‚setzt den Waffengebrauch’ und vernimmt die Täter=Opfer posthum, die tatsächlich existenzbedohenden Milliardenräuber am Volksvermögen kreuzen braungebrannt in der Karibik oder champagnisieren übermütig an der Côte d’Azur, eine schlichte Mutter trauert um ihren Buam, der dümmer war, als die Polizei erlaubt hat und die Justiz ‚setzt eine Untersuchung’, - aber nur a gånz a klane, bittscheen, gelt! Roger, over and out…
Angesichts des unsäglichen ‚Medien’-Martyriums, das unsereinen tagtäglich überrollt, fühlt sich selbst der „Rauchzeichner“ schon von schleichender Imbezillität angekränkelt, – seine eigene Cousine zu ehelichen (wo er doch gar keine Ex-Ehefrau hat), unfassbar, - sowas von Schwachsinn!
Bleibt also nur noch die Flucht in die vage Hoffnung: Schreckt man erst einmal aus dem Albtraum der grassierenden Revolverblattl-Epidemie, die seit geraumer Zeit das Hoamatl überrollt, auf, entpuppt sich eventuell auch das ganze Tabu-Getue um den brutalen Provinz-Krimi nur als Schimäre… Eh alles nur Holler-Holler-Holler-Holler, oder was?!
P.S.: Wollt ihr den totalen Souterrain-Journaillismus?! Den lieferte im lupenreinen Goebbels-Jargon wieder einmal der Freizeit-Henker und Vordenker des ‚gesunden Volksempfindens’ Michael ‚Krone’ Jeannée: „Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben.“ Jawoll, Rübe ab, ålle abmurksen und Heil Hitler, Herr ‚Redakteur’! Der ‚Völkische Beobachter’ hätt’s auch nicht pointierter getroffen…
Der „Rauchzeichner“ ist übrigens schon alt genug zum Erbrechen…
