Sonntag, August 23, 2009

ALLES HOLLER-HOLLER, ODER WAS?!

Davon, dass im sonst eher konfliktscheuen Fürstentum Pröllistan die Gendarmerie-Colts recht locker sitzen, war in letzter Zeit ja häufiger zu hören. Nicht zuletzt dank Deputy Irving, – im Untergrund gern auch ‚Knallerbsi the Kid’ genannt! Im Gefolge einer jüngeren Polizei-Ballerei ließ er die angststarre Öffentlichkeit unmissverständlich wissen, auf wessen stolzer Brust im bleihältigen Tombstone Saint Poelten der Sheriffstern funkelt: „Ich sehe ein Signal weit über Österreich hinaus, das besagt, wer in Niederösterreich etwas anstellt, der muß eben auch mit dem Schlimmsten rechnen.“ Tja, im Lower-Hoamatl herrschen halt noch Erwin, sowie Law & Order… Vorausschauende NÖ-Farmer schlüpfen deshalb schon mal in die kugelsichere Weste, ehe sie abends ihren Greyhound Fiffi äußerln führen…

Nun spielte es eben High-Noon im Merkur-Markt von Krems! - Merkur ist ja bekanntlich das römische Pendant zum griechischen Götterboten Hermes: Sinnigerweise sind die beider antiken Herrschaften aber auch die Götter der Händler und Diebe! Oft doch recht erhellend, - die Mythologie…

Nächtlicher Showdown im Supermarkt also. Tja, was könnte denn da nicht alles wegkommen? Ein Inzersdorfer-Doserl Bohnen mit Speck eventuell? Ein Flascherl Gumpoldskirchner? Oder zwei? Ein, zwei, sogar drei Taferln Suchard-Finessa? Womöglich sogar nahrhaftes Studentenfutter? Nüsse aller Art sollen ja gut fürs Hirn sein. (Aber G’schmierte dürfen ja leider nicht fladern.) Die Tageslosung wohl eher nicht. Denn der Analogkäse- und Schummelschinken-Reibach ruht zu nachtschlafener Stunde längst im Banktresor! Was ma ham, des hamma, sagt sich auch der Großgreissler saturiert…

Dennoch schrillte also am dröge dahindämmernden Gendarmerie-Posten der Alarm. Zwecks aufmunitionierender Stimulanz hatten sich die Beamten die - erst jüngst von einem chinesischen Raubkopie-Dealer erbeutete - DVD „Bonnie und Clyde“ eingelegt. Sedieren doch Rosemund Pilcher & Co sofort jegliche martialische Motivation! So wird’s jedenfalls im obligatorischen Schiesstraining von Inspektor ‚Holler-Holler’ gelehrt… Aber das ist eine andere Geschichte… Die uns allerdings auch noch interessieren wird…

Cineastisch bleihältig aufgeganserlt, rückte also ein uniformiertes Trachtenpärchen erwinesk aus. Am Tatort gesellte sich auch noch ein gleichfalls alarmierter Merkur-Geschäfterlführer hinzu, und so machte sich das ungleiche Trio in kolportierter Zappendusternis auf patscherte Räuberjagd! (Weshalb der freilich ortskundige Merkurling – immerhin auch noch in Erleuchtung eines veritablen Götterboten - nicht einfach das Licht angeknipst hat, bleibt ein profanes Mysterium?! Am apodiktischen Stromspar-Appell der angeblich so gräßlich dahindarbenden Fress-Multis kann’s ja wohl doch nicht gelegen sein!) Apropos: Haben GendarmInnen nicht üblicherweise wenigstens ein Taschenlamperl am Mann? Und eventuell – streng nach Dienstordnung – nur die Ausgänge sichern und Verstärkung anfordern? Papperlapapp! Warmduscher-Strategie! Selbst ist der Mann/die MannIn! Auf ins letzte Gefecht! Den eher tatortunerfahrenen Zivilisten im Schlepptau, legten sich ‚Bonnie & Clyde’ aus der Provinz schon einmal tüchtig ins Zeug: für einen ersehnten Karriereschub?! Tja, in St. Pölten müßte man halt sein… Doch weil sie sich in der Finsternis halt doch recht fürchteten, ließen sie prophylaktisch schon einmal ihre Mündungsfeuer aufblitzen! Schreckensstarr visionierten sie sich vielleicht HC Artmanns Blauboad 1 zwischen das düstere Stahlgeflecht der Schattenregale:

„i bin a ringlschbüübsizza
und hob scho sim weiwa daschlong
und eanare gebeina
untan schlofzimmabon fagrom...

i bin a ringlschbüübsizza
(und schlof en da nocht nur bein liacht
wäu i mi waun s so finzta is
voe de dodn weiwa fiacht...)“

(HC Artmann, 1958)

Ganz schön gruselig: Tja, lieber erst mal d’rauf losknallen, fragen kann man schließlich immer noch! Tja, leider nicht ganz! Denn bei frischen Leichen öffnen sich zwar alle sonstigen Körperöffnungen ziemlich schleusenartig, doch die Lippen bleiben fest versiegelt! Tja, was weiß man denn eh, wofür’s noch einmal gut ist. Im furiosen Blindflug erlegt werden also ein 14-jähriges Dodel-Bürscherl mit einem glatten Rücken-Durchschuss, sowie sein 16-jähriger Komplize mit einem mannstoppenden Durchschuss beider Oberschenkel. Das zweite Opfer muß ergo in einer 90°-Position zu den Schützen gestanden sein: also auch nicht gerade in Notwehr-evozierender Angriffspositur. Resultat des feigen Feuerwerks: der jüngere Bub ist tot, der ältere schwerverletzt! Saubere Arbeit, – und wieder einmal ist diesen fiesen Langfingern ein Doserl Bohnen mit Speck zum aktuellen Aktions-Preis von € 1,29 entrissen worden…

Die tatsächlichen Millionen-Räuber und Dienst-Deppen ernten hingegen weit weniger mediale Zuwendung: All die Bundesbankrottierungsagenten, die ministeriellen Karibik-Hasardeure, die Skylink-Bankrotteure, die blanken ÖBB-Zocker, all die Meinls und Petrikovics, und, und, und… Diese Herrschaften haben zwar Abermilliarden verbrannt, verramscht oder verschoben, und sind dennoch samt und sonders wohlauf, leben unverdrossen auf großem – und vor allem freiem - Fuß und lassen den Plebejer ‚da draußen’, sowie dessen desinteressierten Herrgott ‚da d’roben’ einen guten Mann sein…

In der letalen Causa der Kremser Kleinkriminellen dagegen, springen natürlich sofort die notorischen ‚Zentralorgane fürs gesunde Volksempfinden’ für den antizipatorischen Feuer-Frei-Fanatismus gewisser Hoamatl-G’schmierter in die Bresche. Die Underground-Journaille (nein, subversiv ist die noch lange nicht, – nur, weil sie in der U-Bahn ausliegt) macht – in gewohnter Unkenntnis des Tathergangs (auch drei Tage nach dem grausamen Provinz-Massaker litten die verhätschelten Kids-Killer immer noch unter dem ‚Post-Shooting-Syndrom’ und waren noch immer nicht einvernommen worden; am planlosen Losballern hatte sie ihre eilig erwachte Sensibilität ja weit weniger gehindert. Naja, immerhin bleibt ihnen so jede Menge Zeit, den Einsatzverlauf gründlich abzusprechen) – der Exekutive (die schon von sich aus mauert; Kollegen ermitteln ‚gegen’ Kollegen) auch noch taxfrei eine blickdichte Mauer aus balkenletterdicker Druckerschwärze: Es hätten ja schließlich auch – anstatt der hoamatlichen Halbstarken - die berüchtigten ‚Ostbanden’ sein können! Und die wird man doch noch abknallen dürfen, oder?! ‚No, aber hallo’, wenn nicht einmal mehr die „mit dem Schlimmsten rechnen“ müssen! Der Boulevard ‚findet des super’ – und seine schlichte Leserschaft natürlich erst recht! Doch Achtung, – mögliche Kollateralschäden sind schon im Verzug: Sollte nämlich neuerdings bereits auf versuchten Einschleichdiebstahl die Todesstrafe stehen, dürfte das einschlägig auffällig gewordene Personal aus Politik, Banken, Konzernen, Bundesbahnen, Airport-Verwaltung und ‚Finanzierungsagenturen’ demnächst auch gehörig dezimiert werden… Wo doch vorm Gesetz (außer in Kärnten) alle gleich sind! Ein gewaltiger Aderlass unter den vielstrapazierten Eliten dräut da am Horizont herauf! Dagegen wäre Krems ein glatter Klacks… Gar mit einem Relaunch des Valentinstag-Massakers im Chicago von 1929 müßte gerechnet werden… Ob da überhaupt noch einer übrigbliebe?

Die berufsbedingt blutrünstigen ‚Fünfzeiler-Feiler’ aus der Schmuddelpresse geiferten, die ‚verwahrlosten’ Eindippler hätten die armen Polizisten „attackiert“. Attackiert? Waren die PC-Prätorianer des Apparats, diese ‚publizistischen Hilfssheriffs’ (© Hans Rauscher im ‚Standard’) etwa Tatzeugen? Und wie fängt man sich eigentlich als brutaler Aggressor den klassischen Rückenschuss eines Flüchtigen ein? - Is åber eh wurscht, Hauptsache, die krisengeschüttelte Volksseele ist schon einmal ins Triviale kanalisiert, und zugleich zum auflagensteigernden Dauerköcheln vorgeheizt. Vor allem – bittscheen – nur ja kane deppaten Fragen net! Soweit kummat’s no! Pülcher san eben Pülcher und bleiben ålleweul Pülcher… Tja, wer weiß? Vielleicht aber auch nicht, - falls sie ihre Pubertät erst einmal überleben…

Es wäre aber nicht das Hoamatl, trüge die tragische Farce nicht auch eine gewisse heitere Note: Durch diverseste Medien geisterte bald auch ein Experte, nämlich der ‚Polizeibundeseinsatztrainer’ Martin Hollunder. Im fürwitzigen ORF-Untersetzer trug er gar den bizarren Stotterer-Doppelnamen: „Martin Hollunder-Hollunder“. Inspektor Doppel-Holler, quasi! (Da wäre ja selbst der pfiffige Schelm und Createur der ‚Rokokokokotte’ vor Neid erblaßt!) Waren die fadisierten Kollegen von der TV-Grafik nur im Summer-Suff? Oder werden gar - infolge des radikalen ORF-Sparpakets - neuerdings eventuelle Jux-Inserts von übermütigen Ferialpraktikanten ins Bild gepfeffert? Derlei Imponderabilien lenken freilich vom konzentrierten Verfolgen des Krems-Krimis ab. In sprachloser Fahrigkeit zerrinnt Sekunde um Sekunde. Hollunder-Hollunder? Wie das denn? Rasch münden derlei Grübeleien ja in allerlei irrelevante Irrwege! Den etwa: Wie hätte es eventuell sogar der „Rauchzeichner“ zum kuriosen „Pedro Rauchzeichner-Rauchzeichner“ bringen können? No allemal, sowas hätt’ doch allerhand Pfiff! Schließlich dämmert ihm die tragisch banale Lösung: Er hätte tatsächlich nichts weiter tun müssen, als seine Lieblings-Cousine zu freien! Das wäre zwar semiinzestuös gewesen, - doch eingedenk der Sternstunde eines solchen Jahrhundertnamens! - Vergib mir, liebe Martha, – im TV ist die Nebenwirkung völliger Verblödung eben nicht gänzlich auszuschließen… Fragen Sie Ihren Intendanten oder Abteilungsleiter… (Soweit ist’s schon: Nachts schreckt der „Rauchzeichner“ aus dem Schlaf – und wenn einer seine Ex nochmals heiratet?)

Natürlich wäre die Schmach kaum zu überbieten, den einzigen Heiterkeitsspender im Provinz-Drama, Inspektor ‚Hollunder-Hollundern’, nicht zumindest mit einem einzigen – wenn auch recht einsilbigen - O-Ton zu würdigen: „Der Waffengebrauch ist gesetzt worden.“ Tja, und von Jetzt auf Glei’ hat der Tod eingesetzt! Sollte der forsche ‚Polizeibundeseinsatztrainer’ das Trainings-Dauerfeuer ebenso umständlich lehren, wie er sich auszudrücken erlernt hat, darf einen allerdings gar nichts mehr wundern…

Und so bleibt das Hoamatl halt, wie es sich am Liebsten mag: Die einäugige Hetz-Journaille husst, die blödgekritzelten Beisl-Banausen plappern sowieso alles kleinbissig Vorgekaute nach, die Polizei ‚setzt den Waffengebrauch’ und vernimmt die Täter=Opfer posthum, die tatsächlich existenzbedohenden Milliardenräuber am Volksvermögen kreuzen braungebrannt in der Karibik oder champagnisieren übermütig an der Côte d’Azur, eine schlichte Mutter trauert um ihren Buam, der dümmer war, als die Polizei erlaubt hat und die Justiz ‚setzt eine Untersuchung’, - aber nur a gånz a klane, bittscheen, gelt! Roger, over and out…

Angesichts des unsäglichen ‚Medien’-Martyriums, das unsereinen tagtäglich überrollt, fühlt sich selbst der „Rauchzeichner“ schon von schleichender Imbezillität angekränkelt, – seine eigene Cousine zu ehelichen (wo er doch gar keine Ex-Ehefrau hat), unfassbar, - sowas von Schwachsinn!

Bleibt also nur noch die Flucht in die vage Hoffnung: Schreckt man erst einmal aus dem Albtraum der grassierenden Revolverblattl-Epidemie, die seit geraumer Zeit das Hoamatl überrollt, auf, entpuppt sich eventuell auch das ganze Tabu-Getue um den brutalen Provinz-Krimi nur als Schimäre… Eh alles nur Holler-Holler-Holler-Holler, oder was?!

P.S.: Wollt ihr den totalen Souterrain-Journaillismus?! Den lieferte im lupenreinen Goebbels-Jargon wieder einmal der Freizeit-Henker und Vordenker des ‚gesunden Volksempfindens’ Michael ‚Krone’ Jeannée: „Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben.“ Jawoll, Rübe ab, ålle abmurksen und Heil Hitler, Herr ‚Redakteur’! Der ‚Völkische Beobachter’ hätt’s auch nicht pointierter getroffen…

Der „Rauchzeichner“ ist übrigens schon alt genug zum Erbrechen…

Mittwoch, August 05, 2009

EIN HANS UND EINE KRONE

„Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das erste Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“ (Hervorhebung vom >Rauchzeichner<.)

Karl Marx: „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ [1852]


Dass unser Blauer Planet reichlich kopflos durch die aktuelle Farce des 21. Jahrhunderts schlingert, ist ja kaum noch zu übersehen: Die alles zerstörende Weltwirtschaftskrise von 1929 feiert fröhliche Urständ, die Massenarbeitslosigkeit wächst stündlich in immer monströsere Dimensionen, Kurzarbeit ist bald Standard, der Schlund des globalisierten Kapitals hat (nach jahrzentelangen Milliarden-Profiten) Aberbillionen Euro, Dollar, Franken, Rubel, Yen, Yuan und Rupien verschluckt oder in windige Steueroasen (wie auch das Hoamatl) gespuckt, die jämmerlichen Hungerlöhne ernähren die Frau/den Mann nicht mehr, die wüste ‚Tschuschen’-Hetze wütet in infamer Analogie zum Antisemitismus des vorigen Jahrhunderts, - und das braune Gesindel kriecht auch schon wieder aus allen Pestilenz-Löchern. Ebenso hirn-, wie ratlos, wirft die Politik dem ‚schlechten Geld’ noch Abermilliarden des ‚guten’ hinterher: In seinem nicht zuletzt auch ideologischen Kater besetzt der lernresistente, bürgerliche Staat erneut die Rolle des ‚ideellen Gesamtkapitalisten’ und versucht mit dem buchstäblich allerletzten Granl, dem mit Bomben und Granaten eingegangenen Kretin ‚Kasino-Kapitalismus’ neues Leben einzuhauchen! Wie das, Travnicek?! Naja, indem er den Moribunden halt an den Tropf des Steuertopfs der nächsten X-Generationen hängt! Ave posteritas – morituri te salutant!

So weit, so beklemmend! Keiner hört was, keiner sieht was, keiner sagt was! Die sprichwörtlichen Drei Affen werden zu den zeitgemäßen Erinnyen des urigen Untergangs! Zu zottelachselzuckenden Katalysatoren des rasenden Ruins! Keiner muckst sich, keiner muckt auf! Unsere traditionell duckmäuserischen Lethargiker fürchten ja schon die puppenhäusige Karikatur auf eine Barrikade wie den Mount Everest und nutzen die an sich dafür vorgesehenen Baustoffe lieber zur substandardmäßigen Behübschung ihrer biedermeierlichen Kokons. Daham bleibt hålt daham… Und im Oasch is hålt im Oasch…

20% sehnen sich schon wieder nach „einem starken Führer, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen“ scheren muss, hat eine repräsentative Studie (1500 Befragte; Herausgeber: Regina Polak, Ursula Hamacher-Zuba, Christian Friesl) gerade erst ergeben. 51% verachten Politiker generell und wünschen sich anstatt einer „Regierung“ lieber irgendwelche, nicht näher definierte, „Experten“ als ihre „Führer“. Und 6% sind gleich für eine Militärdiktatur. Hitler, Goebbels, Strache, Graf, Mölzer und Stadler lassen schön grüßen…

Rückblende. Klitzekleiner Exkurs vom virulenten Elend ins heiter Cineastische. Ein Hauch von Nostalgie nach Kakanien. Aus einem ebensolchen – nicht näher benannten – Kaiserreich stammte 1953 auch eine gewisse Prinzessin Ann (nein, nicht Anne Elizabeth Alice Mountbatten-Windsor – die war damals ja noch kaum aus den Windeln, sondern die ungleich bezauberndere Audrey Hepburn, die gleich in ihrer allerersten Filmrolle einen Oscar einheimsen sollte) aus der bittersüßen Filmromanze ‚Roman Holiday’. Auf Staatsbesuch im Rom nimmt der feenhafte Teenager protokollmüde Reissaus und wird nächtens vom US-Reporter Joe Bradley (Gregory Peck) auf einer Parkbank aufgelesen. In einer indifferenten Mischung aus Beschützerinstinkt und Begierde schleppt er die bei Hof sedierte und entsprechend tramhapperte Elfe in seine kärgliche Dachkammer, die dazumals – im Gegensatz zu heute - ja noch als très unchic galt. Erst anderentags – als die vom Boulevard heiß ersehnte Prinzesschen-Pressekonferenz betreten abgesagt werden muß – realisiert Joe seinen headlineträchtigen Zufalls-Fang. Nach turbulenten Tagen und Nächten ziemlich unstandesgemäßen Zeitvertreibs (bildgewaltig unterfüttert von Bradley’s Fotografen-Sozius Irving Radovich [Eddie Albert]), inklusive mitternächtlicher Massenschlägerei auf einem Boogie-Woogie-Dampfer am Tiber, versagt sich der inzwischen liebestrunkene Joe die Story seines Lebens. Im generösen Verzicht erobert er zwar nicht gerade den Pulitzer-Preis, doch immerhin das gleichfalls wild pochende Herz der märchenhaften Prinzessin. Doch infolge der starren Standesdünkel jener Tage hatte das obligatorische Hollywood-Happy-End doch noch zu entfallen… Auf Deutsch hieß die herzzerreissende Edel-Schnulze übrigens „Ein Herz und eine Krone“…

In jenen denkwürdigen Tagen der frühen 1950er-Jahre wechselte gerade ein gewisser Hans Dichand (wohl eher nicht vom edelmütigen Joe Bradley inspiriert) von der Kleinen Zeitung zum Neuen Kurier, ehe er mit einem gewissen Kurt Falk, einem ehemaligen Persil-Angestellten, und 12 Millionen Schilling Gewerkschafts-Gerschtl die Kronen Zeitung neustartete. Seither hält diese weltweit einzigartige, feudalistische Personalunion von ‚Ein Hans und eine Krone’ das Hoamatl fest im Griff! Tja, der Hans, der kann’s und hatte es immer schon faustdick hinter den Ohren! Doch auch weit südlichere Sinnesorgane blieben nicht untätig: Seit nunmehr fünf Jahrzehnten läßt sich ‚Onkel Hans’ von seinen ‚cochones’ die jeweilige Tages-Disposition der breiten Masse der unsteten Austriaker einflüstern. Und so gibt der flatterhafte Greis im untertanenseligen Österreich unverdrossen den kaum camouflierten Trendsetter der rasch wechselnden Befindlichkeiten. Onkel Hansens wankelmütige Underwood-Tasten klappern halt stereotyp im Pulsschlag des jeweils gewünschten Zeitgeists…

Erst im Vorjahr hatte der Cerberus am ‚Vorhof der Macht’ seinen sanguinischen Wahlneffen Werner Faymann von einer gebieterisch vergatterten Redaktion zum Kanzler schreiben lassen. Ganz garstige ondits zischeln ja gern, die eigentliche Speerspitze des Krone-Kampagnen-Geschreibsels, die Leserbriefe, wären immer schon reine Chefsache gewesen. Doch schon bald nach der Möchtegern-Capablanca-Eröffnung im letztjährigen Polit-Schach, folgte – Zug um Zug - ein verblüffendes Neffen-Gambit! Ein völlig unorthodoxer Neffen-Abtausch bereits in der Eröffnungsphase der laufenden Partie. Hatte sich doch der treulose Liesinger Springer erdreistet, simultan auch noch auf anderen Brettern zu hüpfen und seine sprudelnde Annoncen-Gunst auch aufs fiese Konkurrenz-Blattl „Österreich“ auszudehnen. Mit diesem Affront fiel die undankbare Charge beim (un)heimlichen Polit-Turnierleiter über Nacht in Ungnade. Und so kam halt ein anderer, gleichfalls recht wendiger, Krone-Höfling zum Zug: Hans-Peter Martin durfte sich – nach massiver Gratis-PR auf weihevollen Doppelseiten im Wert von Zig-Millionen - über einen saftigen Erfolg bei der mäßig frequentierten (42% Wahlbeteiligung) EU-Wahl freuen.

Doch auf seine alten Tage wird der notorisch beutelgesteuerte ‚Onkel Hans’ zum rechten Windbeutel! Und so hat er eben erst das ‚Christkindl’ von Radlbrunn (* 24.12.1946) und dessen fülligen Neffen zu den jüngsten Hoamatl-Heroen erkoren: Erwin Pröll zum künftigen Bundespräsidenten und dessen Agro-Abkömmling zum Neo-Kanzler! Freilich mit der generösen Konzession eines veritablen Herrschers: Natürlich nur nach – eh klar – „echten, demokratischen Wahlen“! No, åber gehn’S, Travnicek, glei „echt“ und „demokratisch“ auf einmal?! Gretchenfrage an den sakrosankten Leithammel der synchronisierten Boulevard-Leitmedien: Zawås – bittescheeen - braucht’n so a grundschlichter ‚Krone’-Fünfzeiler-Buchstabierer denn überhaupt no a Wahlurne?! (Siehe oben). Bleibt nur zu hoffen, dass die dermaßen hymnisch ‚gehypten’, niederösterreichischen Lokalmatadore nicht noch ein paar Verwandte im politikfähigen Alter im Köcher haben?! Die dynastischen (Erb)-Folgen wären unabsehbar… Nach den Habsburgern - nun die Prölls?! Aber was weiß man denn schon noch im hoamatlichen Absurdistan: womöglich ist ja Nina Proll auch nur ein Künstlername?

Jahrhundert-Farce auf der ganzen Linie also: Und so ist auch der rare TV-Wurf „Wir sind Kaiser“ längst Bruchharsch von gestern! Submissest, Euer Gnaden, und jawoll: ‚Wir haben einen Kaiser!’ – aber der heißt leider nicht Robert Heinrich, sondern schlicht Onkel Hans. Im verlotterten Sitten-Sog der absolutistischen ‚Krone-Demokratie’ erreicht auch das Kabarett bestenfalls noch ein knappes Remis… Die Politik ist ja schon längst Schachmatt! Alle künftigen Hoamatl-‚Führer’ inauguriert ‚Onkel Hans’ fortan gleich direkt, der heitere ‚Neffe-wechsle-dich’-Ringelrein übernimmt die unblutigere Rolle des altrömischen ‚panem et circenses’, das Hohe Haus gäbe allenfalls ja auch einen prächtigen Kultur-Palast ab (werden doch eh schon 80% der Gesetze von Brüssel oktroyiert) und seit das Volk aus dem letzten Loch pfeift, pfeift es erst recht auf all diese blinden Berufs-Politikaster…

Doch ein ehern g’standener Hoamatler bleibt unverdrossen und geht niemals unter! ‚Im-mer wie-der, im-mer wie-der, im-mer wie-der Ös-ter-rei-ch, - jetzt geht’s l-o-o-o-s!!! - jetzt geht’s l-o-o-o-s!!!’: Im Scherbenhaufen der Globalisierung verfallen nun allerdings auch die hiesigen Apokalyptischen Reiter der letzten Tage der Menschheit allmählich vom gemächlichen Trab in den gestreckten Galopp…

Avanti - in die Arena – morituri…